Die Idee einer Reise nach Albanien mit Motorrad hatte seit langem meine Urlaubspläne durchkreuzt.
Alle die es erfahren haben, gaben mir den Rat darauf zu verzichten. Nicht nur meine Familie, sondern auch mein Freundeskreis tat es.
Zufällig, ein paar Tage vor meiner Abfahrt, stoße ich auf ein Buch
mit Reisefotos aus einer Albanienreise mit Cabriolet der berühmten deutschen Journalistin Marion Gräfin Dönhoff
aus dem Jahre 1937, die sie damals zusammen mit ihrer Schwester unternommen hatte.
Zur damaliger Zeit eine echt mutige Expedition der besonderen Art.
Beim Blättern des Buches habe ich mich gefragt, ob ein junger Mann aus Tirana in den besten Jahren seines Lebens, so wie ich einer war,
all zu viel Sorgen machen sollte eine solche Reise zu begehen?
Ah ja, etwas über mich: Tiranajunge, geboren und aufgewachsen in der Hauptstadt, 1991 das Gymnasium "Petro Nini Luarasi" abgeschlossen.
Beide Systeme miterlebt, sowohl das kommunistische als auch das demokratische von Berisha. Noch nie die Connections mit Tirana verloren,
nicht einmal in ihren schlimmsten Tagen, wie die des Jahres 1997 und später. Der Zeitgeist nach dem Abitur an diesem
September 1991 hatte mich weit weg von der Heimat verschlagen.
Was das Motorradfahren betrfft eigentlich Anfänger, aber mit sehr viel Abenteuerlust und Leidenschaft dabei.
Habe ein Ticket von DB-Autozug im Internet bestellt (München - Rimini) hin- und zurück.
München - Rimini - Ancona
Die Reise mit dem DB-Autozug ist sehr entspannend, nicht nur aus dem einfachen Grund, dass man
über Hunderte von Kilometern hinweg etwas für seinen Rücken tut, sondern es bleiben einem die schlimmen Wetterbedingungen erspart, die
dem Motorradfahrer beim Überqueren der Alpen nicht immer ihre sonnigen Seiten zeigen.
Die Landstrasse "Rimini - Riccione - Cattolica" geht meistens an dem Meeresufer entlang und es duftet nach Meeresfrische.
So vergehen ca. 113 km in etwa 2 Stunden um in die schöne kleine italienische Hafenstadt Ancona bei unerträglicher+37,5°C
Hitze zu gelangen.
Die Autofähre "Montenegro Lines" Ancona - Bar scheint aufgrund des italienischem Ferienbeginns 4 Stunden Verspätung zu haben.
Komme aus dem montenegrienischen Zoll ohne Probleme raus.
Lediglich der deutsche Reisepass und die "Grüne Versicherungskarte" genügen.
Die Einreise ins albanische Hochheitsgebiet
Die Strecke von Bar bis zur albanischen Grenze Sukobin oder auf albanisch Murriqan
verläuft dem Meer entlang, bis es zu einem Verkehrsschild "Sukobin" kommt. Ab da geht es dann links bergauf nach
Dobra Voda - Kruta und Vladimir.
Der Zustand der Strasse ähnelt sich mehr einer Dorfstrasse.
Keine Verkehrsschilder, die einem die Gewissheit geben, dass er Richtung albanische Grenze fährt.
Ich fahre nur im zweiten und dritten Gang wegen der kurvenreichen Strecke.
Ab und zu Mercedes PKW-s mit albanischem Kennzeichen wie "SH" für Shkodra oder "TR" für Tirana zeigen dem Fahrer, dass er irgendwie
doch richtig ist.
Später taucht dann doch der Schild Sukobin 6 km und wenig später sieht man schon das holzerne Bungalow
der montenegrinischen Grenzschutzpolizei.
Ein Grenzbeamter um die 50 rum, gut erhalten, blättert meinen Reisepass und begrüßt
mich in ein perfektes Albanisch: "Rezart geh und lass dir einen Stempel am Schalter geben,-Du hast schon mal unsere Grenze passiert",-sagte er zu mir
nach dem er einen schnellen Blick auf meine zig Stempeln in den letzten Seiten geworfen hatte.
Ja,- antwortete ich. Ich muss noch dazu sagen, dass dieser Grenzübergang erst seit dem letzten Sommer eröffnet wurde und ermöglicht nur
die Abfertigung der PKW-s oder der kleineren Personenbusse.
Und nun geht es zur albanischen Seite. Fahre an mehrere wartende PKW-s vorbei, die mit geöffneten Türen auf
dem unhektisch albanischen Beamten warteten. Halte vor dem ersten an der Kolone stehendem Benz mit Tirana Kennzeichen,
bestimmt Badeurlauber in Ulcin, und frage höfflich:"Hi Tirana,
macht es euch was aus wenn ich mich so vordrängle?
Die Antwort kam genau so höfflich: "Ah, überhaupt kein Problem, Junge. Warte da, um dein Pass bei dem Polizisten abzugeben".
Ein gutmütiger, super gut drauf, albanischer Polizeibeamter nähert sich und ich frage ihn: "Muss ich mit meiner Maschine durch
diese schwarze Brühe?" Die schwarze Brühe ist nichts anderes als ein Desinfektionsmittel, gedacht angeblich für
die Reifen eines Kraftfahrzeuges.
Er antwortet supercool:"Komm hier lang Bruder, was willst du mit der schwarzen Brühe?" "Bist du Albaner?",-Ja, antwortete ich.
"Lass das Motorrad drüben am Eck stehen und geh zu dem Chef da, deinen Pass abzugeben.
Du brauchst nur den Fahrzeugschein, um dir den "Eintrittsschein" oder auf albanisch Fletë - Hyrje drüben bei den Zolljungs abzuholen!"
Nach dem ich all diese Schritte, flott und unkompliziert ohne jegliche Art von Bürokratie durchführe,
komme zu meiner Maschine zurück. Die Frau, die in diesem ersten Benz saß frägt mich: "Den weiten Weg von Deutschland bist du mit diesem
Motorrad gefahren? Hast ja so eine weite Strecke hinter dir, du musst wahnsinnig sein!".
Tja, dachte ich mir, ich hatte ja kaum 30 km Strecke von der Fähre bis hier her gemacht.
Lege den ersten Gang rein und gebe Gas zum aller ersten Mal in meiner Heimat. Let's go Albania!
Murriqan - Shkodër - Tirana
Gleich nach dem Grenzübergang, vor dir liegt eine breite gut ausgebaute
und neu asphaltierte Strasse bis zur Holzbrücke des Flusses Buna von ca. 15 km Länge.
Besonderes Vergnügen bereiten einem die entgegenkommenden Begrüßungen und das Winken der Passanten am Straßenrand.
Rechts der Fahrtrichtung der Fluss Buna mit seinem klaren Wasser lädt mich zum Baden ein, aber ich muss
leider noch vor Einbruch der Dunkelheit Tirana erreichen.
Passiere die holzerne Bunabrücke und rechtsweg führt die Strasse nach Tirana.
Beim Tanken sagte mir der Tankwart, dass vor kurzem an seiner Tankstelle eine Gruppe von genau
16 Motorradfahrern aus Deutschland vorbei gefahren ist. Der Preis per Liter war 125 Lek (gut 1 euro), bei ca. 900 Lek war mein Tank randvoll.
Die vor kurzem neu in Betrieb genommene Strasse Shkodër-Tirana geht an Gjadri vorbei (so heisst der Name des Dorfes)
und nicht mehr an Torovica.(der Name des Berges daneben).
Die Strecke ist sehr gut ausgebaut und verläuft teilweise schnurrgerade mit Verkehrsschilder zur Geschwindigkeitsbegrenzung
, die zwischen 60 - 80 km/h varierte. In keinster Stelle, mag sie genauso gerade und in gutem Zustand gewesen sein,
sah ich die Schilder 100 km/h.
Ungeachtet dessen, die Mercedesfahrer, fuhren weiter wie die Kamikazen.
Irgendwann von lauter gerade und langweiliger Stecke, in der man teilweise hunderte von Metern voraussehen konnte, wurde
mir so schläfrig, aber siehe da ein lebloser mitten auf der Strasse liegender Hund mit aufgeblähtem Bauch
gab mir zu verstehen, dass die Tempobegrenzungsschilder gar nicht mal so unangebracht waren.
Nickte mit dem Kopf respektvoll vor jedem Kreuz am Strassenrand, obwohl ich es nicht so ganz verstand,
wie es auf diesem geraden und sicheren Teil der Strecke zu so vielen Unfällen mit tödlichem Ausgang gekommen ist.
Die plötzlichen Überraschungen auf Albaniens Strassen sind immer existent.
Was großen Schlaglöchern und Gullis ohne Deckel betrifft, beobachtete ich keine bis Tirana.
Aber wenn man mit angemessener Geschwindigkeit fährt, kann man immer noch einem Schlagloch abweichen
und das mit dem Motorrad viel besser als mit dem Auto. Die einzige Unbehaglichkeit
bis Tirana war Kamëza, ein Vorort von Tirana mit einem "Wild West Verkehr", den ich ohne größeren Probleme
meisterte. Komme gesund und fit in die Nachmittagshitze von Tirana. Endlich Zuhause.
Tirana - Vlora - Dhërmi
An dem Wochenende zwischen dem 6. und 7. August die Jugendbewegung "MJAFT" (auf dt. "GENUG") veranstaltete eine Party für die Jugend am Strand
von Dhermi.
Ich verabredete mich mit ein paar Freunden aus Shijak dorthin zu fahren.
Am Samstag, um 6 Uhr in der Früh stand ich auf und belade meinen "Esel", unter anderem Schlafsack, aufblasbare Matte und etwas Kleidung.
Um punkt 6.30 Uhr begebe mich Richtung Autobahn Tirana - Durrës. Die Autobahn Tirana - Durrës
ist wahrhaftig die größte strassenbautechnische Errungenschaft Albaniens. Das zügige Fahren mit 90 - 110 km/h
bereitet keine Probleme, natürlich bei unverminderter Bereitschaft jederzeit überrascht zu werden.
Das Strassensegment Durrës - Rrogozhinë ist auch sehr gut ausgebaut und schnurrgerade.
Neu war übrigens die gerade fertiggestellte Autobahn Rrogozhinë - Lushnjë. Mit jeweils zwei Spuren für jede Richtung in perfektem Zustand.
Bis jetzt noch kein Zeichen der schlechten Strassenzustände in Albanien.
Aber das änderte sich schnell bei der Strecke Lushnje bis Kolonjë të Lushnjes.
Eine so kaputte Strecke, wie die meisten Europäer albanische Strassen in ihren Berichten beschreiben. Willkommen in Albaniens Country-Road.
Egal auf welche Seite man fährt, ob links oder rechts überall kleine Schlaglöchern und Risse. Ich weiss es nicht genau wieviele
Kilometer solcher Strecke musste ich auf meiner Virago durchhalten, aber es dürften etwa 15 km gewesen sein.
Die Strecke bis Fier teilweise mit neuem Asphalt und teilweise in schlechtem Zustand.
Ab und zu unter dem Schatten eines Baumes eine zwei Mann Polizeistreife,
aber wenn die mich mit Motorradbekleidung angezogen sahen wie einen Formel1fahrer, begrüßten sie mich mit der Hand an die Schläfe
als ob ich ihr Chef wäre. Fier - Vlorë meiner Meinung nach gar nicht mal so schlecht. Virago konnte endlich seit dem Verlass der Autobahn den vierten Gang spüren.
Irgendwo, nach dem ich die Brücke von Mifoli passierte ein Schild signalisierte: "Mirëserdhët në Vlorë!""Willkommen in Vlora!"
Dort fahre ich rechts ran und rufe meinen Freund Beni auf dem Handy an. Er war zusammen mit Tani,
Vini und Sajmir auf dem Llogara-Pass beim Mitagessen in einem der vielen Restaurants dort, deren Spezialität
ist: "Lamm am Spieß".
Als ich ihm sagte, ich sei kurz vor Vlora, sagte er zu mir: "in 10 min. bist du hier!",-Ach was, dachte ich mir,
das könnte nie im Leben stimmen. Von dort aus brauchte ich gute 20 km um überhaupt in den Verkehr von Vlora reinzukommen.
Den schwierigen Verkehr von Vlora regelte ein cooler braungebrannter Polizist mittleren Alters mit dunkler schwarze Brille.
Von da geht die Strecke am Hafen vorbei bis zu dem Tunnel des "Ujti i Ftohte", (Kaltes Wasser, die Einwohner nennen es so).
Der Tunnel ist winzig und unbeleuchtet, deswegen musste ich mir die Sonnenbrille aus den Augen nehmen.
Als ich aus dem Tunnel rauskam, fragte ich einen alten Polizisten der dort seinen Dienst schob, ob ich Rictung Llogara-Pass
richtig sei.
"Fahr geradeaus weiter und später bei der Brücke biege links ab",- sagte er.
Llogara Pass - dort wo das Herz jedes Motrradfahrers höher schlägt
Die Strecke von Orikum bis Dukat ist ganz neu und in bestem Zustand. Dort kannst
du der Maschine ruhig Gas geben und das Feeling einer unbeschreiblichen Landschaft geniessen.
Auf der rechten Seite halte ich an einer kleinen Tankstelle an. Ein junger Mann mit Vlora-Dialekt, während er meinen Tank befüllte, bemängelte:
"Der Motor läuft heiss, Bruder!"
Tja.. kann man nix machen. Ich fuhr dann weiter auf kurvenreicher Strecke Richtung Pass.
Mit jeder Kehre und jedem Stück Meter, der man hoch fährt, spürt man die Frische des Bergklimas.
Obwohl der Virago mehr eine Cruisingmaschine ist, trotzdem hatte er bei den vielen Kehren viel Spass. In der
Zwischenzeit fuhren die veralteten Diesel-Mercedes den Berg hoch, als ob sie in jedem Moment ihren Geist aufgeben würden.
Am Anfang hatte ich ein wenig Angst wegen des Rollsplitts, der hinter jeder Kehre auf der Fahrbahn lauerte,
aber zu meinem Erstaunnen, war der Asphalt ungewohnt sauber und ohne Probleme. Als ich auf der Spitze des Passes gelang,
nach dem ich an mehrere Restaurants vorbei fuhr, hielt ich die Maschine an und sah die Jungs mit vollem Magen aus einem Lokal
rauskommen.
Endlich, sagte ich zu mir und stieg ab zum ersten Mal seit Tirana nach fast 4 stündiger nonstop Fahrt
und gönne mir eine ausgedehnte Pause.
"Komm Alter steig wieder drauf, den Kaffe trinken wir in Dhërmi",-sagten mir die Jungs.
So musste ich weiterhin noch ca. halbe Stunde bis Dhërmi fahren.
Das Runterfahren vom Pass war genauso wie das Hinauffahren,
nur mit dem Unterschied, dass die Strecke irgendwann sehr schlecht wurde
und die extrem enge Fahrban gleich einer schlechten Dorfstrasse, das Fahren mit höherem Gang als den zweiten, bis Dhërmi unmöglich machte.
Dhërmiu - "der Liebling - Strand" der Albaner
Früher so fern für die Leute aus der Hauptstadt, fast unerreichlich, heute
mit dem neuen Strassenbau so nah, fast erreichlich fürs Wochenende.
Dies beobachtet man nicht nur in der steigenden Zahl der Restaurants und Kaffes, sondern auch bei den unzähligen
PKW-s mit hauptstädtischem Kennzeichen, die samstags für reichlichen Verkehr sorgen vom Llogara Pass
bis runter zum Strand.
Na ja zumindest dieses Wochenende wegen der Party von "MJAFT" ist Dhermi fest in der Hand der Jugend aus Tirana.
Die Hauptattraktion um die sich alle drehen ist der Disco Club "Havana".
Die Ambiente gebaut aus Holz und einem Halbdach aus Stroh, die andere Hälfte des Dachs war offen
und gibt dem Besucher das Open Air Feeling, wo man die sternklare Sommernacht genießen kann.
Unweit des Strandes sah ich eine neue Anlage mit Bungalows aus Holz.
Aber an einem Wochenende wie dieses wahrscheinlich vollkommen ausgebucht. Überall große weisse Zelte, die
"MJAFT" organisiert und am Strand aufgestellt hatte, gefüllt mit fröhlichen Jungs und Mädels, die erzählen
sie seien seit Freitag angereist mit den kostenlos zur Verfügung gestellten Reisebussen von "MJAFT".
Am Nachmittag machte sich der Geruch vom gegrillten Fleisch und "Qofte", "Frikadellen" am Strand vor Havana breit.
4 Fleischpflanzerl in einem Pitabrot kosteten 100 lek, ca. 0,80 Euro und geschmeckt haben sie auch noch.
Von den vielen überall ligenden Zelten hatte man den Eindruck, dass obwohl immer noch kein öffentlicher Campingplatz in Albanien
existiert, das Zelten doch zu einer neuen alten Tradition wird.
Viele der jungen Leute kamen aus dem Ausland und machten dort Urlaub.
Manche studierten in Italien. Andere kamen aus England,
Amerika, sogar aus Toronto Kanada kam ein Junge, den meine zwei Freunde aus London im Transitbereich des Flughafens Budapest
getroffen hatten.
Am Abend saßen die jungen Leute rund um das Lagerfeuer und unterhielten sich laut.
Später sammelte Havana sie alle zusammen. Die Housemusik entsprach nicht unbedingt dem Geschmak meines Alters
und ein Drink kostete ca. 500 lek, ungefähr 4 Euro, jedoch bestand die Möglichkeit jederzeit nach draußen zu gehen
und etwas vom Grill zu bestellen oder ein Bier von den extra mitgebrachten Kühlschränken und Fässern und das
alles für einen ganz vernünftigen Preis.
Irgendwann um 2.00 Uhr in der Früh suche durch die Zelten meinen Schlafsack und falle totmüde
mit dem ohrenbetäubenden Lärm der Housemusik von Havana und hatte so das Gefühl für ca. 3 Stunden gepennt zu haben
bis es hell wurde und das Schlafen unmöglich.
Tirana - ihr Verkehr, Vorsicht, Geduld und Verständnis
Tirana wächst und gedeiht. Mit ihr auch ihr Horrorverkehr.
In den frühen Stunden des Vormittages alles bleibt stehen. Das Motorrad als Bewegungsmittel stellt eine echte Alternative
dar um in dieser Dschungel vorwärts zu kommen. Das sieht man auch in der immer größeren Zahl der zweispurigen Fahrzeuge.
Konnte viele neue Mofas beobachten, bestimmt Import aus China mit kleinem Kubik und einem Einkaufskorb vorne. Der Pflicht des Tragens
eines Schutzhelmes seitens der Motorradfahrer vorgesehen in StVo wird lediglich nachgegangen, in dem man
den Helm in der Hand am Ellbogen hängt oder es vorne am Lenkrad befestigt.
Sehr selten sah ich welche einen Helm tragen, wahrscheinlich Opfer der neuen Strafzetteln, die die Strassenpolizei
von Tirana in der letzten Zeit fleißig verteilte, das aber auch je nach Lust und Laune.
Die Hauptstädter haben eine Fahrweise, die für Südeuropa typisch ist. Das dann gemixt auch mit anderen Verkehrsteilnehmer
aus den anderen Städten machten den Chaos perfekt.
Nur auf dem Stadtring "Unaza" existieren überhaupt Strassenmarkierungen oder Einordnungspfeile zum Abbiegen.
Jeder ändert die Fahrtrichtung ohne zu blinken, oder fährt in die Vorfahrtstrasse rein, wann immer er Lust hat.
Das besondere war: Das plötzliche Anhalten mitten auf der Fahrbahn ohne rechts zu fahren und dort minutenlang zu stehen
ohne Rücksicht auf die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer zu nehmen.
Obwohl die Ampelanlagen intakt zu sein schienen, nur die Polizeibeamten konnten den Verkehr sinnvoll regeln.
Man wird wohl denken, dass der Beamte nicht unbedingt mit der Ampel kompatibel ist. Er gibt einem Zeichen zum Fahren, obwohl die
Ampel rot zeigt und zum Anhalten wenn sie grün leuchtet, dies ist aber die kleinste Sorge.
Beim Anhalten vor der Ampel, der erste zu sein, bedeutet etwas gutes für deine Lungen zu tun.
Wer will denn der Dritte oder gar Vierter sein auf dem Stadtring mit drei Fahrspuren
hinter den ganzen alten Diesel-Mercedes Autos, die aus ihren Auspuffrohren eine blauschwarze Dunst
in die überhitzte Luft der Hauptstadt spucken.
Die Ampel schaltet plötzlich sofort auf Grün ohne auf Orange zu gehen.
Einige in den vorderen Reihen scheinen eingeschlafen zu sein. Dies begründet auch das Hupen der hinteren Fahrer.
Am Anfang dachte ich, dass dies nur ein Einzelfall sein könnte, aber später erfuhr ich das dieser letargischer Zustand bei der Ampelschaltung,
gängiger Praxis war. Und das Hupen von hinten wollte nicht aufhören.
Das Anhalten vor den Zebrastreifen, um den Fußgängern das Überqueren zu ermöglichen, erwies sich später als überflüssig.
Gleich am ersten Tag in Tirana an der Kreuzung bei der "Vasil Shanto" Hauptschule, als ich ein paar Fußgänger am Strassenrand sah,
die die Zebrastreifen betretten wollten, hielt ich sofort an, um ihnen das Überqueren zu ermöglichen, aber siehe da,
keiner rührte sich vom Fleck, so groß war der Respekt deren gegenüber PKW-s. Nachdem ich das gleiche Geschehen mehrmals miterlebte,
vergass ich das mit den Zebrastreifen.
Nichtsdestotrotz verglichen mit den 90-er Jahren hat sich fast alles verbessert. Viele Strassen und Strassenabschnitte sind neu gebaut,
neue Bürgersteige, weniger Gullys ohne Deckel mitten auf der Strasse.
Die Hand von Tiranas Bürgermeister Edi Rama ist überall allgegenwärtig. Auch die Jugend hat langsam angefangen, das Motorrad als
Vergnügungsmittel zu entdecken. Es gab nicht wenige große Motorräder, besonders im Zentrum bei "Blloku" natürlich,-Tiranas Hauptschlagsader für alles
was mit jugendlichem Stil und Leben zu tun hat. Sehr trendy war zur Zeit das Modell Honda CBR 600.
Ein typisches Bild: Vorne der Junge mit aufgesetztem Helm oder manchmal auch nicht und hinten als Sozius seine Freundin oder Verehrerin
mit knappem Minirock, nicht selten ein schweineleckerer Anblick,
beim Rumfahren um die vielen Bars und Caffes von "Blloku".
Bei "Blloku" kann man die Maschine direkt auf dem Bürgersteig hinstellen, womöglich neben einem gut besuchten Lokal
ohne Angst zu haben, dass ihr was passiert. Guter Tipp von mir.
Natürlich über die Nacht sollte man am besten eine Garage aufsuchen oder einen bewachten Parkplatz haben. Dennoch so zum kurz Ausgehen und Bummeln
in die Stadt braucht man nicht mehr unbedingt neben der Maschine am Tisch zu sitzen.
Zu mindest das war meine Erfahrung. Blloku, wie gesagt Hauptschlagsader des Nachtlebens der Hauptstadt. Sobald die Hitze verschwindet
und die Uhr langsam 7 schlägt sollte man sich beeilen, um noch einen leeren Tisch zu kriegen. Das Alter
deren, die sich in den Gassen rumtreiben ist überwiegend jung, wo Gymnasiasten und Studenten stark dominieren.
Im August kommen auch die ganzen Urlauber aus dem Ausland hinzu. Bei den Mädels sind sexy Kleidung,
dickes Makeup und Schuhen mit hohen Absätzen, ein absolutes Muss. Kein einziges Mädchen, glaube ich,
dürfte da spazierengehen, ohne super sexy und totschick angekleidet zu sein.
Obwohl viele Bürgersteige noch im miserablen Zustand sind, das hindert sie sich aber nicht daran,
so elegant und topmodelverdächtig mit den hohen Absätzen vorbeizulatschen, als seien sie in den Passarelen von Mailand oder Paris.
Das Motto von "Blloku" scheint zu sein: Wenn du nicht super hammermäßig aussiehst, hast du hier nix verloren.
Bleibe sitzend am Tisch von dem am Trendy Lokal "Diesel" und beobachte das ganze Geschehen um mich herum und denke
mir: "Eh Tirona....!"
Es sind wirklich viele Jahre vergangen, seit dem wir weg sind.
Tirana der Ende 80-er hat sehr wenig gemeinsames mit der von heute.
Wie auch immer, bei all den Nostalgien, die einem in dem Moment so hoch kommen, scheint trotzdem die heutige eine Klasse für sich zu sein.
Die Hauptstadt hat sich zum wahren Metropol verwandelt. Die Menschen sind viel mehr geworden.
Man fühlt sich gut, wenn einem ein bekanntes Gesicht begegnet und verlegen wenn einem der Name dessen, von dem man gerade begrüßt wird, nicht mehr einfällt.
Man sieht wie alt die damaligen Erwachsenen geworden sind
und wie erwachsen jung und hübsch diejenigen geworden sind, die du ganz klein gelassen hast.
Ob man jemals auch selber ein Gymnasiast war?
Ehhh... wie die Zeit vergeht.
Die Rückkehr in den Hafen von Durrës
Nach zwei Wochen Aufenthalt in Albanien, kann ich sagen, dass ich eine gute Zeit gehabt habe. Niemand hat mich angehalten und kontrolliert,
niemand hat mich belästigt, niemand hat meine Maschine berührt, keinen Platten gehabt.
Albanien wird immer besser als sein Ruf.
Die Sicherheit ist völlig in Ordnung, dem ausländischen Touristen wird kein Haar gekrümmt. Neue Strassen werden gebaut.
Das Tourismus ist voller Hoffnung und Zuversicht, obwohl es in den nächsten Jahren nicht unbedingt den gewünschten Boom erleben wird.
Albanien als Land ist mehr wert als nur ein Tagesausflug hin- und zurück aus dem benachbarten Korfu.
Mit diesen Gedanken im Sinn begebe ich mich auf die Rückfahrt zum Hafen von Durres. Die Autofähre Durrës - Ancona fährt um 19.00 Uhr ab. Die Zollabfertigung verläuft reibungslos. Musste die Eintritsbescheinigung
fürs Motorrad abgeben und bezahlte 1 euro pro Tag für den Aufenthalt in Albanien.
Ich gab dem Polizisten 2.200 lek obwohl er nur 2.100 verlangte, da ich kein Kleingeld dabei hatte. Ich sagte ihm er solle den
Rest behalten als "Bakshish" aber er zwang mir und bestand darauf, dass ich den Rest zurück nehme.
Kompliment an die albanische Zollpolizei.
...Nach einer richtig entspannten Dusche draußen am Deck direkt neben dem Pool, beobachte ich wie Albanien immer mehr hinter dem Horizont verschwand
bis sie ganz weg war.
Nehme wieder dieses Buch der deutschen Journalistin zur Hand, die ich am Anfang erwähnt habe. Sie lebte 96 Jahre. Heute wäre sie 101 geworden.
Kurze Zeit später nach ihrem Tod, findet ihr Neffe eine alte verstaubte Schachtel mit Negativbilder aus ihren Reisen mit Cabrio in Balkan.
In einem davon stand geschrieben: "Die Reise nach Albanien 1937".
Die Bilder waren über den zweiten Weltkrieg in einer besonders gute Qualität erhalten geblieben.
Die alte Oma war damals sehr jung und schrieb voller Enthusiasmus und Leidenschaft über dieses Land.
Das Land und seine gastfreundschaftlichen Leute haben sie fasziniert.
Viele Jahre werden vergehen und dieses Land wird nicht mehr lange die vergessene Ecke Europas bleiben.
Aber bis dahin liegt noch ein weiter Weg.
Ich habe noch so viele andere Orte für das nächste Mal zu besuchen.
Bin für drei Wochen im August wieder unten.
Für diejenigen, die in dieser Zeit auch in Albanien sind Meine E-Mail Adresse: Rezi
Albania, I'll be back!
Aktuelle Videos vom Juni 2011 über die brandneuen Strassen der albanischen Riviera. Sie lassen jedes Motorradfahrerherz höher schlagen!!!